Wertstoffströme

Blogbeitrag

Mehr als nur Asche: Die verborgenen Wertstoffströme der thermischen Verwertung

 Wertstoffströme : Wenn von Müllverbrennung die Rede ist, entsteht oft ein einseitiges Bild: Abfall wird verbrannt, übrig bleibt Asche. Doch diese Vorstellung ist längst überholt. Moderne Waste-to-Energy (WtE)-Anlagen sind hochtechnologische Kraftwerke, die eine entscheidende, oft unsichtbare Rolle in der Kreislaufwirtschaft spielen. Sie sind nicht das Ende der Wertschöpfungskette, sondern eine zentrale Drehscheibe, die aus nicht-recycelbaren Reststoffen wertvolle Ressourcen gewinnt und gleichzeitig die Kreislaufwirtschaft von gefährlichen Schadstoffen reinigt. Das „Branchenbarometer Waste-to-Energy 2025“ von CEWEP und ecoprog wirft ein Schlaglicht auf diese unverzichtbare Funktion und zeigt, welche verborgenen Wertstoffströme in der thermischen Verwertung schlummern.

Der primäre Wertstoffstrom: Saubere Energie aus Restabfall

Der offensichtlichste und bekannteste Wertstrom aus WtE-Anlagen ist die Energie. Aus dem, was nach allen Recyclingbemühungen als Restabfall übrig bleibt, wird in einem hocheffizienten Prozess Strom und Fernwärme erzeugt. Diese Form der Energiegewinnung ist grundlastfähig und steht damit rund um die Uhr zur Verfügung – ein entscheidender Vorteil gegenüber den volatilen erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind. WtE-Anlagen stabilisieren somit nicht nur die Energieversorgung, sondern leisten auch einen Beitrag zur Schonung fossiler Brennstoffe. Sie verwerten den Energiegehalt von Abfällen, die andernfalls ungenutzt auf Deponien landen und dort über Jahrzehnte klimaschädliches Methan ausstoßen würden. Die thermische Verwertung ist somit ein Paradebeispiel für die intelligente Nutzung von Ressourcen bis zum Ende ihres Lebenszyklus.

Der materielle Wertstoffstrom: Metalle und Mineralien aus der Asche

Was nach der Verbrennung als feste Schlacke zurückbleibt, ist keineswegs wertloser Abfall. Im Gegenteil: Die Schlacke ist ein wertvolles Rohstofflager. In nachgeschalteten Aufbereitungsprozessen werden daraus Eisen- und Nichteisenmetalle wie Aluminium, Kupfer oder Messing mit hoher Effizienz zurückgewonnen und wieder dem Stoffkreislauf zugeführt. Jede Tonne Metall, die aus der Schlacke extrahiert wird, muss nicht unter hohem Energieaufwand aus Primärrohstoffen gewonnen werden. Der verbleibende mineralische Anteil der Schlacke wird ebenfalls aufbereitet und kann als qualitätsgesicherter Ersatzbaustoff im Straßen- und Wegebau eingesetzt werden. Auch hier schließt sich der Kreis: Anstatt wertvolle natürliche Ressourcen wie Kies und Schotter abzubauen, wird ein aufbereiteter Reststoff sinnvoll wiederverwendet.

Der unsichtbare Wertstoffstrom: Die Reinigung der Kreislaufwirtschaft

Die vielleicht wichtigste, aber am wenigsten beachtete Leistung von WtE-Anlagen ist ihre Funktion als Schadstoffsenke. In unserem Abfall landen unweigerlich Produkte, die Schadstoffe enthalten, die nicht in den Recyclingkreislauf gelangen dürfen, da sie diesen kontaminieren und die Qualität der Recyclate mindern würden. Die thermische Verwertung zerstört diese Schadstoffe sicher und zuverlässig bei hohen Temperaturen und verhindert so, dass sie sich in der Umwelt oder in neuen Produkten anreichern. Das „Branchenbarometer Waste-to-Energy 2025“ hebt hier insbesondere die wachsende Herausforderung durch PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) hervor:

PFAS – Die „ewigen Chemikalien“:

Diese extrem stabilen Verbindungen sind in vielen Alltagsprodukten enthalten und können durch Recycling kaum zerstört werden. Das Barometer zeigt, dass 45 % der Anlagenbetreiber erwarten, dass zukünftig mehr PFAS-belastete Abfälle thermisch behandelt werden müssen, da dies eine der wenigen effektiven Methoden zur Zerstörung dieser Schadstoffe ist. Die hochmoderne Rauchgasreinigung in WtE-Anlagen stellt dabei sicher, dass auch bei diesem Prozess strengste Umweltstandards eingehalten werden und keine schädlichen Emissionen in die Atmosphäre gelangen.

Durch die sichere Zerstörung solcher Schadstoffe erbringen WtE-Anlagen eine unverzichtbare „Reinigungsleistung“ für die gesamte Kreislaufwirtschaft. Sie sorgen dafür, dass die aus dem Recycling gewonnenen Sekundärrohstoffe sauber und sicher für den Einsatz in neuen Produkten sind. Dieser „Wertstoffstrom der Sauberkeit“ ist die Grundvoraussetzung für eine funktionierende und nachhaltige Circular Economy.

Die Wertstoffströme im Überblick

WertstoffstromBeschreibungBeitrag zur Kreislaufwirtschaft
EnergieErzeugung von Strom und Fernwärme aus nicht-recycelbaren Restabfällen.Schonung fossiler Ressourcen, Beitrag zur Energieversorgungssicherheit, Vermeidung von Deponiegasen.
MetalleRückgewinnung von Eisen- und Nichteisenmetallen aus der Verbrennungsschlacke.Reduzierung des Primärrohstoffabbaus, Schließung von Metallkreisläufen.
MineralienAufbereitung der Schlacke zu qualitätsgesicherten Ersatzbaustoffen.Schonung natürlicher Ressourcen (Kies, Schotter), Reduzierung des Deponievolumens.
SchadstoffsenkeSichere Zerstörung von organischen Schadstoffen (z.B. PFAS) im Abfall.Schutz der Recyclingkreisläufe vor Kontamination, Sicherstellung sauberer Sekundärrohstoffe, Schutz von Mensch und Umwelt.

WtE als unverzichtbarer Partner der Kreislaufwirtschaft

Die thermische Abfallverwertung ist weit mehr als das Ende der Kette. Sie ist ein multifunktionaler Dienstleister im Herzen der modernen Kreislaufwirtschaft. Sie erzeugt nicht nur wertvolle Energie und gewinnt materielle Ressourcen zurück, sondern erfüllt vor allem die entscheidende Aufgabe, die Stoffkreisläufe sauber zu halten. Wie das „Branchenbarometer Waste-to-Energy 2025“ unterstreicht, ist diese Funktion als Schadstoffsenke unverzichtbar, um die Qualität des Recyclings zu sichern und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft überhaupt erst zu ermöglichen. Der politische Handlungsbedarf, WtE als integralen Bestandteil der Circular Economy anzuerkennen, ist daher größer denn je. Nur im Zusammenspiel von konsequenter Abfallvermeidung, hochwertigem Recycling und einer sicheren thermischen Verwertung der nicht-recycelbaren Reste kann die Vision einer echten Kreislaufwirtschaft Realität werden.

Quelle: CEWEP & ecoprog GmbH. (2025). *Branchenbarometer Waste-to-Energy 2025*.

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